Viele Fehler, viele Tore: TSB Gmünd kämpft die Waiblinger „Tigers“ nieder

Auf dem Weg zum dritten Heimsieg in Folge hatte der TSB Gmünd ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen. Erst ein starker Zwischenspurt Mitte der zweiten Halbzeit und neun Paraden des eingewechselten Tobias Klemm sichern die 36:32 (16:16) – Revanche gegen den VfL Waiblingen. Für Trainer Aaron Fröhlich ist es der 40. Sieg im 50. Spiel.


Aus drei Heimspielen in Folge haben die „Jets“ die Maximalausbeute ergattert und ihren lange vermissten Flow wiederentdeckt. Was zuvor gegen die direkten Mitbewerber Albstadt (38:34) und Willstätt (41:27) begonnen hatte, entwickelte sich gegen den Tabellenelften aus Waiblingen allerdings zu einer zähen Angelegenheit. Ein hochklassiges Spiel war es nicht, weil sich beide Teams nach der Faschingspause verblüffend viele Fehler leisteten. So lieferten sich die eigentlich defensivstarken Remstal-Rivalen wie schon im Hinspiel, in dem der TSB mit 36:41 den Kürzeren gezogen hatte, ein Torspektakel. Aus Gmünder Sicht ein echter Arbeitssieg, weshalb dem erleichterten Trainer Aaron Fröhlich sein persönliches Jubiläum völlig unwichtig war. Im 50. Auftritt als Cheftrainer feierte er seinen 40. Sieg – eine herausragende Bilanz, womit der Tabellendritte bei zehn ausstehenden Saisonspielen beste Chancen auf den erstmaligen Sprung in Liga drei hat.

 

Die offensive Gmünder Abwehr wirkt erneut

 

„Von Spiel zu Spiel denken“, lautet weiterhin die bodenständige Devise des Coaches. Weil sich wieder einmal zeigte, dass in der ausgeglichenen Regionalliga kein Gegner unterschätzt werden darf. Für den TSB begann das Fehlerfestival bereits in der ersten Minute, als Niklas Burtsche per Siebenmeter nur das Standbein von VfL-Torwart Levin Stasch abwarf. Die Hausherren reagierten aber stark und übernahmen durch Burtsches zweiten Strafwurf erstmals selbst die Führung, die Yannik Leichs prompt auf 5:3 (6.) ausbaute. Der 26-Jährige, schon einer der erfahrensten Akteure im jungen Team, wirbelte zugleich an der Spitze einer offensiv ausgerichteten 5-1 Abwehrformation.

 

Tatsächlich provozierte der TSB somit viele gegnerische Ballverluste, leistete sich aber auch selbst ungewohnt viele Nachlässigkeiten. Zunächst war man im Glück, als die Waiblinger zweimal nacheinander den Pfosten trafen. Doch während das Gmünder Rückraumspiel kurzzeitig stockte, konterte Niklas Leukert mit vier Toren in Folge. Beim Stand von 7:9 (13.) hatte der starke Linksaußen der Gäste alleine bereits siebenmal eingenetzt. Als Fröhlich kurz darauf die erste Auszeit nahm, wurde es laut im Teamkreis. Die Reaktion folgte prompt: In diesem hektischen Schlagabtausch gelang dem TSB der nächste Turnaround, weil sich Torwart Daniel Mühleisen erstmals auszeichnen konnte. Kapitän Wolfgang Bächle nutzte zwei freie Chancen, fing dann in der Abwehr selbst einen Ball ab und legte dem schnell gestarteten Kai Schäffner das 12:12 (22.) auf.

 

Zumindest offensiv spielte der TSB teilweise elegant, etwa als Kreisläufer Jonas Waldenmaier einen Pass aus der Luft fing und zum 14:12 (26.) einwarf. Einen Vorsprung, den man allerdings nicht in die Pause retten konnte. Waiblingen übersah zunächst sogar das leerstehende Gmünder Tor, glich aber im nächsten Angriff zum 16:16 (30.) aus und musste sich sogar über viele vergebene Chancen ärgern. Direkt nach Wiederanpfiff wurde VfL-Kreisläufer David Schröder vorzeitig disqualifiziert, nachdem er Leichs beim Torwurf unsanft zu Boden gerissen hatte. Aus den Überzahlsituationen konnte der TSB zunächst aber wenig Kapital schlagen. Obwohl Schäffner mit einer feinen Einzelaktion auf 22:18 (35.) stellte, ließen sich die Gäste nicht abschütteln.


Ein Torwartwechsel zum richtigen Zeitpunkt

 

Zwischen den Pfosten hatte Mühleisen zunächst einen guten Wiederbeginn erwischt, zweimal gehalten und selbst ein Distanztor erzielt. Dennoch wurde er nach 37 Minuten von Tobias Klemm abgelöst. Ein Wechsel, der sofort wirkte. VfL-Torjäger Leukert hämmerte einen Siebenmeter lediglich an die Latte, der nächste Wurf von Außen wurde zur sicheren Beute für Klemm. Nur bitter, dass die Fehlerkette der Gmünder Offensive nicht abreißen wollte. Einen Fehlpass von Arian Pleißner bestraften die Gäste umgehend mit einem Wurf ins leere Tor zum 23:22 (40.). Besonders der Rückraumrechte Martin Lübke hielt den VfL mit neun Treffern im Rennen – bis aber auch er zum ersten Mal in Klemm seinen Meister fand.

 

Diesen starken Rückhalt nutzte der TSB zu einem entscheidenden Zwischenspurt. Stefan Scholz tat sich mit viel Laufbereitschaft hervor, Linkshänder-Kollege Patrick Watzl arbeitete fleißig in der Defensive und belohnte sich mit dem Treffer zum 28:25 (47.). Ein Polster, das Klemm festhielt. Der 30-Jährige, der zum Saisonende seine Laufbahn beenden wird, stand zwischenzeitlich bei einer herausragenden Quote von 50 Prozent gehaltener Bälle. Mit einer spektakulären Sprungparade lenkte er das Spiel schließlich in sichere Bahnen. Im schnellen Gegenstoß war elf Minuten vor dem Ende erstmals ein Sechs Tore-Vorsprung erzielt.

 

Dritter Sieg in Folge, aber viel Luft nach oben

 

Letztlich fielen auch die Gmünder Nachlässigkeiten nicht mehr ins Gewicht. Etwa als der mit elf Treffern herausragende Tom Abt einen Strafwurf zu lässig verwandeln wollte und an Tormann Stasch scheiterte. Auf der Gegenseite kam Daniel Mühleisen für einen Moment zurück aufs Feld und lenkte prompt einen Leukert-Strafwurf mit den Fingerspitzen über die Latte. Das Torwartteam des TSB hatte einmal mehr den Unterschied gemacht. Nach dem 36:29 (57.) durch Youngster Simon Neumaier misslangen die letzten drei Angriffe, Waiblingen gelang bis zum 36:32-Endstand nur noch Ergebniskosmetik. Matchwinner Tobias Klemm macht in der Schlussminute mit der neunten Parade bei nur zwölf Gegentoren seinen persönlichen Sahnetag perfekt.

 

Der nächste Schritt in Richtung Tabellenspitze war getan. Nur die HSG Albstadt (31:11 Punkte) und der TSV Heiningen (30:14) liegen weiterhin knapp vor dem TSB (29:11), aber auch erst eines bzw. zwei Spiele weniger absolviert hat als die Konkurrenz. Die starke Serie gilt es am kommenden Samstag (19:30 Uhr / Körschtalhalle Scharnhausen) beim Tabellenzehnten HSG Ostfildern fortzusetzen.

 

TSB Jets – VfL Waiblingen 36:32 (16:16)

 

TSB: Daniel Mühleisen (1.-37. Minute, 1 Tor), Tobias Klemm (37.-60.) – Tom Abt (11/1), Kai Schäffner (5), Yannik Leichs (5), Wolfgang Bächle (3), Stefan Scholz (3), Jonas Waldenmaier (2), Niklas Burtsche (2/1), Andreas Maier (1), Simon Neumaier (1), Arian Pleißner (1), Patrick Watzl (1), Florian Abele, Kai Kiesel

VfL: Levin Stasch, Leon Dotzauer – Niklas Leukert (10/3), Martin Lübke (9), Lukas Ader (3), Tobias Maurer (3), Lars Berlich (2), Alexej Prasalov-Beer (2), Holger Mayer (1), Hannes Schönemann (1), Sören Schmid (1), David Schröder, Lion Haase

Siebenmeter: TSB 5/2 – VfL 5/3

Zeitstrafen: TSB 6 Minuten – VfL 12 Minuten

Rote Karte: David Schröder (VfL/31./Grobes Foulspiel)

Schiedsrichter: Sebastian Bürkle (TSV Schmiden), Manuel Traa (TSV Lorch)

Zuschauer: 600

 

 

Im Spielverlauf immer stabiler geworden“ – Stimmen zum Spiel

 

Aaron Fröhlich, TSB-Trainer: „Uns war klar, dass wir ein dickes Brett zu bohren haben. Es ist für uns keine Selbstverständlichkeit, eine Mannschaft wie Waiblingen zu schlagen und deshalb bin ich stolz auf meine Jungs. Der Gegner hat uns das Leben über 60 Minuten schwer gemacht. Im Angriff haben wir es über weite Strecken hervorragend gemacht. Doch natürlich hätten wir uns mit der Erfahrung aus dem Hinspiel gewünscht, dass wir weniger Gegentore kassieren. Letztlich hat uns eine sehr gute Torhüterleistung von Tobi Klemm auf die Siegerstraße gebracht. Wir tun weiterhin ganz gut daran, von Spiel zu Spiel unsere Hausaufgaben zu machen und uns selber zu verbessern. Da haben wir heute einiges gesehen, was noch viel besser geht.“

 

Tim Baumgart, VfL-Trainer: „Gemeinsam mit Albstadt ist Gmünd die spielstärkste Mannschaft der Liga und steht zurecht ganz oben in der Tabelle. Hier mit vier Toren Unterschied zu verlieren, ist aller Ehren wert und ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden. In der ersten Halbzeit waren wir fast die bessere Mannschaft, haben aber zu viele einfach Fehler gemacht. In den zehn Minuten nach der Pause waren wir zu oft in Unterzahl, was wir uns zum Teil selber zuzuschreiben haben. Am Ende hat uns Tobias Klemm den Zahn gezogen, sonst hätten wir etwas mitnehmen können. Wir sind selbst weit entfernt von der Tabellenregion, die wir uns vorgestellt haben. Doch wir geben die Runde auf gar keinen Fall auf, gerade weil wir in der Tabelle eher nach hinten schauen müssen.“

 

Tom Abt, TSB-Spielmacher: „Die Pause nach zwei starken Spielen hat uns nicht gut getan. Wir haben Zeit gebraucht, um wieder auf Spielniveau zu kommen und haben das zum Glück in der zweiten Halbzeit geschafft. Davor war es ein wildes Spiel mit vielen dummen Fehlern. Das Problem war, dass wir oftmals gar nicht in die stehende Abwehr gekommen sind. Auch mit vier Rückraumspielern haben wir offensiv zunächst nicht die besten Lösungen gefunden und sind nicht mit der letzten Entschlossenheit reingegangen. Gefühlt erwartet uns jede Woche ein Spitzenspiel, deshalb werden wir zehn Spieltage vor Schluss auf gar keinen Fall den Aufstiegskampf ausrufen.“

 

Patrick Watzl, TSB-Linkshänder: „Wir waren von der ersten Minute an nicht klar im Angriff, haben sehr viele Fehler gemacht. Dadurch haben wir relativ viele Kontertore kassiert und keine Sicherheit bekommen. Im Spielverlauf sind wir immer stabiler geworden und haben mit mehr Selbstvertrauen unsere Abwehr gespielt. Ich bin immer besser in meine Rolle in der Abwehr hineingewachsen. Das macht mir Spaß und nach meiner langen Verletzung kommen allmählich die Automatismen wieder zurück.“

 

Tobias Klemm, TSB-Tormann: „Neun Paraden – das konnte ich erst gar nicht glauben, als ich es gehört habe. Ich bin einfach froh, dass ich gleich den ersten Wurf halten und der Mannschaft einen Impuls geben konnte. Dass die Jungs es dann im Angriff verwerten, macht mich glücklich und die sichere Führung hat schon zur Entspannung geführt. Es wird vermutlich nicht leicht für mich, zum Saisonende mit dem Handball aufzuhören. Aber ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam einen tollen Abschluss haben werden.“

(Text: Nicolas Schoch)