Im Rennen um den Drittliga-Aufstieg steht der TSB Gmünd vor dem ersten von zwei entscheidenden Heimspielen. Nach der bitteren Niederlage in Ostfildern soll am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) gegen den Tabellennachbarn TSV Weinsberg die direkte Antwort folgen. Ein rasantes Duell zweier junger Teams ist vorprogrammiert.

Es gab ordentlich Gesprächsbedarf beim TSB Gmünd. Zum Start in die Trainingswoche gab es eine ausführliche Analyse der nicht eingeplanten 35:36-Niederlage beim Tabellenzehnten HSG Ostfildern. Wieder einmal hatten die „Jets“ vergeblich nach ihrer defensiven Stabilität gesucht. Der Verlust von Routinier Christian Waibel seit Dezember wiegt immer noch schwer. Aus der nunmehr sechsten Saisonpleite wollte Trainer Aaron Fröhlich zwar keine allzu große Sache machen: „Doch wir haben uns Zeit genommen und ein paar Dinge angesprochen, die wir abseits von Taktik besser machen müssen. Ich denke, dass uns das einen guten Impuls geben wird für die nächsten Wochen.“
Tatsächlich dürften die nächsten 14 Tage zeigen, ob der Tabellenvierte (29:13 Punkte) tatsächlich reif ist für den Sprung in Liga drei. In eigener Halle geht es gegen zwei direkte Konkurrenten, zunächst den TSV Weinsberg (28:16) und dann den TVS Baden-Baden (31:13). Dazwischen liegt die Auswärtsfahrt zum abgeschlagenen Schlusslicht TSV Blaustein (2:44). „Die Wahrheit liegt für uns am Samstag auf dem Spielfeld“, vermeidet Fröhlich weiterhin jeden Blick auf das Tableau. Doch der Trainer ist sich bewusst, dass nun jeder weitere Patzer fatal sein könnte. Immer wieder griff er im Training selbst ein, korrigierte, stellte nach, verlangte Präzision.
Weinsberger Überraschungsteam zu Gast
Was für die Gmünder spricht: Unter Fröhlichs Regie haben sie noch nie zwei Spiele in Folge verloren. Auf jede Niederlage folgte bislang ein Sieg und der 35-Jährige selbst ist fest davon überzeugt, dass dies erneut der Fall sein wird: „Ich freue mich darauf, dass wir eine neue Chance haben und eine Entwicklung zu sehen sein wird.“ So schwer die Aufgabe auch sein wird, der TSV Weinsberg kommt da vielleicht gerade richtig. Zwischen dem eigenen und dem gegnerischen Team hat Fröhlich einige Parallelen erkannt: „Ich bin selbst überrascht, dass die Weinsberger mit einer so jungen Mannschaft über lange Strecken dieses hohe Niveau halten. Das ist eine Riesenleistung.“
Zur Erklärung: Vor knapp zwei Jahren war das einst erfahrene Team unter der Burgruine Weibertreu beinahe komplett auseinandergebrochen. Der Neuaufbau mit vielen Eigengewächsen gelang aber bravourös, obwohl sich Torschützenkönig Alen Hadzimuhamedovic schnell für höhere Aufgaben empfahl und inzwischen beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim gesetzt ist. Das erfahrene Torhütergespann mit dem drittligaerfahrenen Stefan Koppmeier und dem erst kürzlich zurückgekehrten Marc Krammer sorgt für den nötigen Rückhalt. Die flinken Rückraumspieler Maximilian Zeisler (93 Saisontore), Nicolas Ehrlich (85) und Jan Pröllochs (82) stellen jede Abwehrreihe vor teils unlösbare Herausforderungen. Am vergangenen Wochenende ließ der TSV mit einem 48:28-Kantersieg über den Vorletzten TV Plochingen kräftig die Muskeln spielen, die vergangenen fünf Auswärtsspiele allerdings gingen allesamt verloren.
Schnelles Spiel, viele Tore und noch mehr Spannung?
Trotz Heimvorteil muss der TSB voll auf der Höhe sein, nicht nur in der stehenden Abwehr, sondern auch im Rückzugsverhalten. Doch schon das erste Aufeinandertreffen der „Jungen Wilden“ aus Gmünd und Weinsberg hatte es in sich. In den letzten drei Minuten hatte der TSB zunächst einen Zwei Tore-Rückstand umgebogen, jubelte neun Sekunden vor Schluss über den vermeintlichen Siegtreffer und musste im Gegenzug doch noch den 33:33-Ausgleich schlucken. Ob es nun ein verlorener oder ein gewonnener Punkt war – diese Erinnerung macht auch dem Gmünder Coach viel Lust auf das bevorstehende Rückspiel. „Weinsberg hat einen guten Lauf und strahlt viel Selbstvertrauen auf“, meint Fröhlich. Er schiebt aber sofort hinterher: „Wenn es ein ähnliches Spiel wird, dann bin ich guter Dinge, dass wir es dieses Mal für uns entscheiden können. Denn wir haben ihrem schnellen Spiel viel entgegenzusetzen und haben schon unter Beweis gestellt, dass wir selbst auch viele Tore werfen können.“ In den vergangenen acht Partien hat der TSB immer die 30 Tore-Marke übertroffen, teils sogar deutlich.
Damit dies auch wieder zu Punkten reicht, gilt es, ein bekanntes Muster endlich abzustellen. Fehlende Motivation will Fröhlich seinen Mannen gar nicht unterstellen, doch zu oft ärgerte er sich über passive Anfangsminuten. „Wenn wir es nicht schaffen, von Anfang an voll da zu sein, dann tun wir uns schwer, den Bock während dem Spiel umzustoßen und so bleibt es bis zum Ende zäh. Doch für den Samstag mache ich mir keine Sorgen, dass wir nicht aktiv und heiß starten.“
Aktiv und Heiß ins Heimspiel: Die Halle soll brennen
Auf der Zielgeraden – von den verbleibenden neun Saisonspielen bestreitet der TSB nur noch vier im eigenen Wohnzimmer – soll die Atmosphäre in der Großen Sporthalle zu einem Faktor werden. „Meine Mannschaft zeigt seit anderthalb Jahren sehr ansprechende Leistungen und bekommen dafür großen Zuspruch“, so Fröhlich. Eine große Kulisse scheint erneut vorprogrammiert. Doch zunächst ist die Mannschaft gefordert, eine richtige Reaktion auf den jüngsten Rückschlag zu zeigen. Oder, wie es der Trainer mit einem Lächeln zusammenfasst: „Wir werden die sein, die die Halle anzünden – und damit werden wir die Zuschauer zur größtmöglichen Unterstützung animieren.“
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Nicolas Schoch)







































