Zur entscheidenden Saisonphase ist der TSB Gmünd über sich hinaus gewachsen und hat sich an die Spitze gespielt. Um dort zu bleiben, gilt es am Samstag (19:30 Uhr / Stadthalle) beim unbequemen HC Neuenbürg nachzulegen. Die Erinnerung ans Hinspiel liefert zusätzliche Motivation.

Es war ein Moment für die Ewigkeit. Mit seiner spektakulären Parade zweieinhalb Minuten vor Schluss hatte Tobias Klemm verhindert, dass sein Team gegen den TVS Baden-Baden in Rückstand geriet. Schließlich warf Tom Abt den TSB Gmünd ins Glück, doch der heimliche Held des 35:34-Krimis war Torwart Klemm. Erst recht, weil seine Rettungstat im Video des baden-württembergischen Handballverbands inzwischen sechsstellige Aufrufzahlen geknackt hat. „Ich bin einfach froh, dass ich den Gegenstoß wegnehmen konnte und die Halle komplett hinter mir stand“, war Klemm selbst ganz verblüfft: „Diese Szene wird mir immer in ganz besonderer Erinnerung bleiben.“ Nur noch sechs Spiele bleiben dem 29-Jährigen bis zum angekündigten Ende seiner Laufbahn. „Wir müssen jetzt klar fokussiert bleiben“, fordert Klemm deshalb, „und dürfen nichts auf die leichte Schulter bleiben, wenn wir das Maximale herausholen wollen.“
Der Trainer genießt die Leistung statt der Tabellenführung
Das Maximale ist längst greifbar. Über den erstmaligen Aufstieg in die 3. Liga wird bei den „Jets“ längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Doch plötzlich ist auch die Ausgangslage gefährlich: Erstmals ist der TSB alleiniger Tabellenführer, hat damit erstmals auch etwas zu verlieren. Doch genau dieses Denken will im Gmünder Lager niemand zulassen. Allen voran nicht Trainer Aaron Fröhlich, der die neue Tabelle nicht ein einziges Mal angeschaut hat. Sehr wohl aber konnte er die leidenschaftliche Vorstellung vom vergangenen Wochenende genießen: „So ein Herzschlagfinale für uns zu entscheiden, gibt uns schon ein gutes Gefühl. Weil wir den Sieg unbedingt wollten und als Mannschaft über uns hinauswachsen konnten.“

Statt Druck verspüren die Gmünder vor allem die Chance, ihre starke Form zu bestätigen. Sechs der vergangenen sieben Spiele wurden gewonnen, die Inkonstanz aus den Wintermonaten scheint überwunden zu sein. Doch das Restprogramm (unten aufgelistet) hat es in sich. Sechs Gegner, gegen die sich der TSB bislang überwiegend schwer tat, vier davon in fremder Halle. Jeder davon will nun den Klassenprimus stürzen. Worin Fröhlich aber eher Chance denn Risiko sieht. „Am Besten ist es, wenn jede Mannschaft ein Handballfest daraus macht und uns den höchstmöglichen Druck bereitet – denn darunter performen wir bislang am Besten.“
Neuenbürg: Eine Wundertüte mit hoher Qualität
Beim Tabellenelften HC Neuenbürg erwartet der TSB-Trainer den nächsten Schritt von seinen Jungs. Sprich, die konstant guten Leistungen sowohl im Angriff als auch in der Abwehr zu bestätigen. Ein Blick zurück schärft die Sinne zusätzlich. Ende November hatte der TSB gegen die damals akut abstiegsbedrohten Enztäler seine erste Heimniederlage hinnehmen müssen. Zwar kämpften die Gmünder damals energisch gegen einen Sieben-Tore-Rückstand an, scheiterten mit vielen freien Würfen aber immer wieder am starken HCN-Torwart Konstantin Regelmann und unterlagen verdientermaßen mit 26:30. Für Fröhlich ist es nur selbstverständlich, dass „wir eine bessere Leistung zeigen und diese Scharte auswetzen wollen. Es braucht keine Zusatzmotivation. Wir können es besser – und das wollen wir jetzt auch zeigen.“

In der vergangenen Saison gewann der TSB zwar beide Partien, hatte aber auch da schon seine liebe Mühe mit den „Foxes“. Ein seit Jahren bekannter Kontrahent, der aber einer Wundertüte gleicht. In der heimischen Stadthalle wurden bereits die Spitzenteams TuS Steißlingen (30:27) und HSG Albstadt (37:33) zu Fall gebracht. Mit einem starken Lauf von drei Siegen wurde der Klassenerhalt vorzeitig fix gemacht, auch wenn man zuletzt mit 29:35 bei der SG Weinstadt unterlag. Kämpferisch genug werden die Neuenbürger ganz bestimmt auflaufen, wie bereits auf der vereinseigenen Homepage verkündet wird: „Bei allem Respekt vor dem Gegner werden die Mannen von Verdran Dozic nicht mit Wackelknien auflaufen.“ Immerhin stellt der HCN sogar den besten Angriff aller Teams aus der unteren Tabellenhälfte, angeführt von den beiden Rückraumschützen Vincent Virzi (114/22 Saisontore), Felix Rothardt (107). Gerade rechtzeitig zum Duell mit dem Spitzenreiter hat sich Rothardt ebenso wie der starke Linksaußen Mattes Meyer (107/5) nach einer Verletzungspause zurückgemeldet.
Voller Fokus auf die eigene Leistung – und die Wurfbilder des Gegners
„Es ist genug Qualität da, doch sie haben eine gewisse Inkonstanz“, hat Fröhlich in seiner deshalb keinesfalls einfachen Beobachtung festgestellt. Dass Neuenbürg nun völlig ohne Druck aufspielen kann, macht die Aufgabe nicht zwingend leichter. Der TSB-Trainer bleibt gelassen, fordert aber eine erneute Top-Leistung von seinem Team: „Der Gegner wird im Heimspiel bestimmt heiß sein. Aber wenn wir selbst heiß sind und es wie ein Spitzenspiel angehen, dann konnten wir das bislang auch immer für uns entscheiden.“
Nachdem Simon Neumaier von einem Lehrgang mit der US-Juniorennationalmannschaft zurückkehrt, kann der TSB aus den Vollen schöpfen. Besonders das starke Torhüterduo Daniel Mühleisen und Tobias Klemm soll wieder einmal den Ausschlag geben. Der Matchwinner der Vorwoche hat sich jedenfalls schon akribisch auf die gefährlichen Werfer des HC Neuenbürg vorbereitet. „Ich nutze die Vorbereitung vom Hinspiel inklusive einiger Videosequenzen aus der Rückrunde“, verrät Klemm. „An die eine oder andere Szene erinnere ich mich noch – das gilt es abzurufen.“ Wenn das gelingt, ist alles angerichtet für die Gmünder Revanche im Enztal.
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier








































