Der Spitzenreiter ist nicht zu bremsen. Schon vor der Halbzeitpause entscheidet der TSB Gmünd das Auswärtsspiel beim HC Neuenbürg und revanchiert sich mit 40:31 (25:13) eindrucksvoll für die Hinspielniederlage. Drei Siege aus den verbleibenden fünf Partien reichen zur Meisterschaft.

Die Momente der völligen Zufriedenheit sind selten bei TSB-Trainer Aaron Fröhlich. Am Samstagabend allerdings war seine Mannschaft der Perfektion ziemlich nahe gekommen. Fröhlich, der sonst selten zu Superlativen greift, sah eine "herausragende Leistung in Abwehr wie Angriff", die den vierten Sieg in Folge bedeutete. Und weiter: "Das war ein Beispiel für uns, was wir in der Lage sind zu leisten. Wir haben die beste erste Halbzeit in dieser Saison gespielt. Das ist nicht selbstverständlich und der jungen Mannschaft deshalb besonders hoch anzurechnen."
Gmünder Blitzstart lässt den Gegner verzweifeln
Der HC Neuenbürg hatte zuvor ebenfalls einen starken Lauf, fünf seiner vorherigen sieben Spiele gewonnen und bekanntlich auch das erste Aufeinandertreffen in Gmünd mit 30:26 für sich entschieden. Eine Erinnerung, die der TSB unbedingt tilgen wollte – und dies nicht eindrucksvoller hätte tun können. Bis in die Haarspitzen waren die Gmünder motiviert, an Yannik Leichs und Andreas Maier in der Abwehrzentrale war kaum ein Vorbeikommen. Blitzschnell schalteten die Gäste um führten nach nicht einmal vier Minuten mit 5:0. Ein Traumstart, noch dazu erzielt durch fünf verschiedene Torschützen. Tom Abt war der gewohnt sichere Taktgeber, seine Rückraumpartner Kai Schäffner und Stefan Scholz rissen immer wieder Lücken. Sobald es ins Tempospiel ging, war auf die beiden treffsicheren Außen Niklas Burtsche und Wolfgang Bächle Verlass.

"Es war einfach Einstellungssache", meinte der neunfache Torschütze Burtsche hinterher: "Wir schauen nicht auf die Tabelle, sondern spielen jedes Spiel wie ein Finale – und das haben wir souverän in den ersten zehn Minuten gewonnen." Über 6:1 (5.) und 10:2 (10.) war der TSB unaufhaltsam auf 13:3 (12.) davongezogen. Zu diesem Zeitpunkt nahm HCN-Trainer Vedran Dozic bereits seine zweite Auszeit, später gestand er: "In dieser Phase waren wir völlig hilflos." Die 450 Zuschauer in der Neuenbürger Stadthalle staunten über die Souveränität der Gmünder, die sich von der immer größer werdenden Aufstiegschance gar nicht verrückt machen lassen. Einen gewissen Druck kann auch Trainer Fröhlich nicht mehr wegreden. Doch sein Team hat standgehalten – oder vielmehr die Tabellensituation völlig ausgeblendet.
Offensivrausch und Abwehrbollwerk
Völlig befreit spielten die Gmünder auf, kombinierten sich mit Tempo und Präzision durch die gegnerische Abwehr. Regisseur Abt und der wurfgewaltige Yannik Leichs trafen aus nahezu allen Lagen, defensiv ließen die Gäste kaum etwas zu. Der Vorsprung hätte sogar noch deutlicher ausfallen können, als es beim 17:6 (20.) der Fall war. Selbst ein verworfener Konter von Burtsche sowie eine Zeitstrafe gegen den starken Tormann Daniel Mühleisen brachten den TSB nicht aus dem Konzept. Die "Jets" hatten sich längst in einen Rausch gespielt: Nie zuvor hatten sie in einer Halbzeit 25 Tore erzielt, gleich acht davon gingen auf das Konto von Abt.

Der Sportliche Leiter Jürgen Rilli war schon zur Pause mächtig stolz: "Die Jungs haben von der ersten Sekunde an gezeigt, was in ihnen steckt. Wir mussten auch nach der Halbzeit noch einmal hochfahren – und das haben wir geschafft." Bächle und Maier erstickten mit ihren Toren zum 27:15 (32.) alle Neuenbürger Hoffnungen im Keim. Eine entspannte Angelegenheit? Von wegen. "Mir war es wichtig, dass wir die zweite Halbzeit nicht abschenken und in einem stabilen Fahrwasser bleiben", gab Fröhlich vor. Zwar gingen seine Mannen nicht mehr mit der allerletzten Entschlossenheit zu Werke, doch sie hielten auch mit vielen personellen Wechseln den hohen Abstand aufrecht.
Souverän verwaltet und rotiert
Mit Blick auf das bereits am Donnerstag anstehende Derby bei der SG Weinstadt ging es dem Trainer auch um Belastungssteuerung. Während Linksaußen Burtsche weiterhin am Fließband traf, bekam der herausragende Abt nach dem 33:20 (42.) seine wohlverdiente Pause. Die beiden Youngster Lenny Schwenk und Simon Neumaier führten fortan Regie, in Kreisläufer Jonas Waldenmaier fanden sie stets einen guten Anspielpartner. Nicht alles funktionierte reibungslos, etwa im Spiel mit dem siebten Feldspieler. Fünfmal flog der verloren gegangene Ball ins verwaisten Gmünder Tor. Weshalb Fröhlich allerdings niemandem einen Vorwurf machen wollte: "Wir haben in ungewohnten Formationen gespielt, wo keine Sicherheit im Spiel war. Das ist kein Beinbruch. Doch jeder Spieler hat seine Chance bekommen, um sich weiterzuentwickeln und das ist auch gelungen. Wir wissen, was wir an diesen Jungs haben."

Neuenbürg betrieb noch ein wenig Ergebniskosmetik, verkürzte von 13 Toren auf neun Tore Unterschied. Das schmerzte im Gmünder Lager niemand. Die 50 mitgereisten Fans hatten sich in den letzten fünf Minuten bereits von ihren Sitzen erhoben, bejubelten noch einen schönen Treffer des jungen Rechtsaußen Florian Abele und den Schlusspunkt von Arian Pleißner zum 40:31. Ein völlig souveräner Auftritt, mit dem der TSB seine Tabellenführung weiter ausbaute.

Denn der Blick auf die Konkurrenz erfreute den Spitzenreiter zusätzlich: Hauptrivale HSG Albstadt unterlag mit 27:37 beim Tabellensiebten TSV Weinsberg, der TVS Baden-Baden gewann das Verfolgerduell gegen den TSV Heiningen mit 30:28. Die Rechnung für den TSB ist daher denkbar einfach: Drei Siege in den verbleibenden fünf Partien genügen, um sich selbst die Meisterkrone aufzusetzen. So weit will Fröhlich gar nicht blicken, der TSB-Trainer lässt sich nur so viel entlocken: "Wir wollen diese Leistung als Muster und gutes Gefühl mitnehmen – denn das nächste Spiel wird genauso schwer." Schon am Gründonnerstag (20:30 Uhr / Sporthalle Beutelsbach) wartet im Remstal-Derby beim heimstarken Tabellenneunten SG Weinstadt eine der höchsten Hürden. Torjäger Burtsche formuliert die Marschroute unmissverständlich: "Wir wollen kein Spiel mehr verlieren – das ist unsere Mentalität."








































