Ein Argentinier für die Jets: Agustin Ortlieb Basualdo fühlt sich beim TSB Gmünd sofort zuhause

Der argentinische U21-Nationalspieler Agustin Ortlieb Basualdo läuft ab sofort für den TSB Gmünd auf. Der junge Rechtsaußen kommt von der SG Flensburg-Handewitt II, spricht fließend Deutsch und hat für seinen großen Traum bereits einige mutige Entscheidungen getroffen.
 
Das erste „Servus“ klingt noch etwas ungewohnt, aber es kommt ihm bereits ganz selbstverständlich über die Lippen. „Zuhause in Argentinien stand ein ,Servus‘ groß an der Wand. Meine Familie stammt ursprünglich aus Österreich, mein Vater aus Deutschland und lebt auch dort“, erzählt Agustín Ortlieb Basualdo und lächelt. Der schüchterne 21-Jährige hat sich schnell in seiner neuen schwäbischen Heimat eingefunden. Eine Wohngemeinschaft in Bargau fand er selbstständig über das Internet, derzeit sucht er noch eine Arbeitsstelle. Im Herbst beginnt er außerdem ein Fernstudium an einer argentinischen Universität im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheit. Diese außergewöhnliche Eigeninitiative zieht sich wie ein roter Faden durch seinen bisherigen Weg.
 
Am Donnerstagabend lief der Rechtsaußen erstmals für den TSB Gmünd auf. Beim 28:29 im Testspiel gegen den VfL Günzburg erzielte er seine ersten beiden Tore im blauen Trikot. Schon dabei blitzte sein variantenreiches Wurfrepertoire auf, zugleich war zu erkennen, dass ihm nach einer Knieverletzung noch etwas Spielpraxis fehlt. Vier Monate lang hatte er pausieren müssen. „Ich mag es nicht, über mich zu sprechen“, sagt Basualdo bescheiden, als er nach seinen Stärken gefragt wird. Viel lieber beschreibt er seine Einstellung: „Wenn ich auf dem Feld stehe, dann gebe ich 100 Prozent und mehr.“
Es ist eine Geschichte, wie sie der TSB Gmünd bislang noch nicht erlebt hat. Basualdo ist der erste Spieler aus Übersee in der Vereinsgeschichte. Geboren und aufgewachsen ist er in Villa Ballester, einer 35.000-Einwohner-Stadt im Großraum Buenos Aires. Handball spielte er beim Traditionsverein SAG Villa Ballester – dem Deutschen Turnverein seiner Heimatstadt. Dass er bereits fließend Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr. Sein Vater stammt aus Deutschland, zudem besuchte Basualdo eine deutsche Schule. In Argentinien dominiert zwar der Fußball. „Aber Handball wird auch immer größer“, sagt Basualdo. „Wie jedes Kind habe ich Fußball gespielt, aber zuhause Handball geschaut, weil mein Großvater Handballtrainer war.“ Entsprechend nennt der TSB-Neuzugang neben Fußball-Weltmeister Lionel Messi auch den argentinischen Handball-Star Diego Simonet als sportliches Vorbild.
Der Traum vom Handball in Deutschland wurde vor eine Jahr Wirklichkeit. Über Landsmann Matías Sánchez Montero, der zeitweise in der Akademie der SG Flensburg-Handewitt tätig war und ebenfalls aus Villa Ballester stammt, entstand der Kontakt zum Bundesligisten. „Er hat mich angeschrieben, ob ich Lust hätte, in Deutschland zu spielen. Und ja natürlich“, sagt Basualdo lachend. Nach zwei Wochen Probetraining zog er nach Flensburg und erzielte für die Zweite Mannschaft der SG 35 Tore in 16 Regionalliga-Spielen. Zuvor hatte er bereits in der U19- und U21-Nationalmannschaft Argentiniens auf sich aufmerksam gemacht. Mit beiden Teams wurde er Kontinentalmeister und nahm an den Weltmeisterschaften 2023 in Kroatien sowie 2025 in Polen teil. Die A-Nationalmannschaft ist ein ferner Traum: „Aber ich sehe es nicht als aktuelles Ziel. Ich habe immer Ziele, die ich in kurzer Zeit erreichen kann.“
 
Nach einem Jahr im hohen Norden zog es ihn nun wieder näher zur Familie. Seine Großeltern leben im Schwarzwald, Deutschland kennt er seit seiner Kindheit durch regelmäßige Besuche. „Das Jahr in Flensburg war schön – aber es war viel zu weit weg von meiner Familie. Ich wollte näher sein. Den Kontakt zum TSB Gmünd suchte Basualdo schließlich selbst. Der Drittliga-Neuling hatte sein Interesse geweckt. Erst recht, nachdem er ein Heimspiel der Aufstiegssaison im Online-Livestream verfolgt hatte: „Ich habe sofort die Fans gehört, die Halle ist immer voll und hier spielen die besten Spieler der Region. Ich will den nächsten Schritt im Handball machen und auf einem höheren Niveau spielen. Das habe ich hier gefunden.“
Wobei allen Beteiligten klar ist, dass der junge Argentinier Zeit brauchen wird, um auch sportlich im Schwabenland anzukommen. Bezüglich seiner Verletzung habe Basualdo sofort mit offenen Karten gespielt, berichtet Jürgen Rilli. Doch der Sportliche Leiter des TSB ist überzeugt, dass sich die Geduld auszahlen wird: „Wir müssen ihn erstmal aufbauen – dafür geben wir ihm Zeit. Dann bringt er uns weiter. Er zeigt, was er kann. Er hat ein gutes Wurfbild und viele Varianten.“ Auch Trainer Aaron Fröhlich legt den Fokus zunächst auf die Eingewöhnung. „Agustin darf jetzt erstmal bei uns ankommen. Er hat sich um alles selber gekümmert, spricht perfekt Deutsch. Da ist es von der Eingewöhnung leicht. Aber dieser Schritt – erst aus Argentinien, dann aus Flensburg – ist trotzdem groß. Er passt gut rein und wir sind sehr froh, dass wir ihn auf der rechten Seite haben.“
 
Dort bildet Basualdo künftig gemeinsam mit Kapitän Wolfgang Bächle das Gespann auf Rechtsaußen. Gerade der erfahrene Ur-Gmünder hat den Neuzugang sofort unter seine Fittiche genommen. „Er hat mir vom ersten Moment an immer geholfen und wir haben ein gutes Verhältnis. Da kann ich viel lernen“, sagt Basualdo. Seine Ziele formuliert er so bescheiden wie entschlossen. „Für mich ist es ein Traum, in der 3. Liga zu spielen und in so einer talentierten Mannschaft. Ich will mich immer verbessern – das ist mein Ziel.“
 
Nur eines fehlt ihm noch, um endgültig in Schwaben angekommen zu sein: Maultaschen oder Spätzle hat der Argentinier bislang noch nicht probiert. Das dürfte sich in den kommenden Wochen allerdings ändern.
Der argentinische U21-Nationalspieler Agustin Ortlieb Basualdo läuft ab sofort für den TSB Gmünd auf. Der junge Rechtsaußen kommt von der SG Flensburg-Handewitt II, spricht fließend Deutsch und hat für seinen großen Traum bereits einige mutige Entscheidungen getroffen.
 
Das erste „Servus“ klingt noch etwas ungewohnt, aber es kommt ihm bereits ganz selbstverständlich über die Lippen. „Zuhause in Argentinien stand ein ,Servus‘ groß an der Wand. Meine Familie stammt ursprünglich aus Österreich, mein Vater aus Deutschland und lebt auch dort“, erzählt Agustín Ortlieb Basualdo und lächelt. Der schüchterne 21-Jährige hat sich schnell in seiner neuen schwäbischen Heimat eingefunden. Eine Wohngemeinschaft in Bargau fand er selbstständig über das Internet, derzeit sucht er noch eine Arbeitsstelle. Im Herbst beginnt er außerdem ein Fernstudium an einer argentinischen Universität im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheit. Diese außergewöhnliche Eigeninitiative zieht sich wie ein roter Faden durch seinen bisherigen Weg.
 
Am Donnerstagabend lief der Rechtsaußen erstmals für den TSB Gmünd auf. Beim 28:29 im Testspiel gegen den VfL Günzburg erzielte er seine ersten beiden Tore im blauen Trikot. Schon dabei blitzte sein variantenreiches Wurfrepertoire auf, zugleich war zu erkennen, dass ihm nach einer Knieverletzung noch etwas Spielpraxis fehlt. Vier Monate lang hatte er pausieren müssen. „Ich mag es nicht, über mich zu sprechen“, sagt Basualdo bescheiden, als er nach seinen Stärken gefragt wird. Viel lieber beschreibt er seine Einstellung: „Wenn ich auf dem Feld stehe, dann gebe ich 100 Prozent und mehr.“
Es ist eine Geschichte, wie sie der TSB Gmünd bislang noch nicht erlebt hat. Basualdo ist der erste Spieler aus Übersee in der Vereinsgeschichte. Geboren und aufgewachsen ist er in Villa Ballester, einer 35.000-Einwohner-Stadt im Großraum Buenos Aires. Handball spielte er beim Traditionsverein SAG Villa Ballester – dem Deutschen Turnverein seiner Heimatstadt. Dass er bereits fließend Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr. Sein Vater stammt aus Deutschland, zudem besuchte Basualdo eine deutsche Schule. In Argentinien dominiert zwar der Fußball. „Aber Handball wird auch immer größer“, sagt Basualdo. „Wie jedes Kind habe ich Fußball gespielt, aber zuhause Handball geschaut, weil mein Großvater Handballtrainer war.“ Entsprechend nennt der TSB-Neuzugang neben Fußball-Weltmeister Lionel Messi auch den argentinischen Handball-Star Diego Simonet als sportliches Vorbild.
Der Traum vom Handball in Deutschland wurde vor eine Jahr Wirklichkeit. Über Landsmann Matías Sánchez Montero, der zeitweise in der Akademie der SG Flensburg-Handewitt tätig war und ebenfalls aus Villa Ballester stammt, entstand der Kontakt zum Bundesligisten. „Er hat mich angeschrieben, ob ich Lust hätte, in Deutschland zu spielen. Und ja natürlich“, sagt Basualdo lachend. Nach zwei Wochen Probetraining zog er nach Flensburg und erzielte für die Zweite Mannschaft der SG 35 Tore in 16 Regionalliga-Spielen. Zuvor hatte er bereits in der U19- und U21-Nationalmannschaft Argentiniens auf sich aufmerksam gemacht. Mit beiden Teams wurde er Kontinentalmeister und nahm an den Weltmeisterschaften 2023 in Kroatien sowie 2025 in Polen teil. Die A-Nationalmannschaft ist ein ferner Traum: „Aber ich sehe es nicht als aktuelles Ziel. Ich habe immer Ziele, die ich in kurzer Zeit erreichen kann.“
 
Nach einem Jahr im hohen Norden zog es ihn nun wieder näher zur Familie. Seine Großeltern leben im Schwarzwald, Deutschland kennt er seit seiner Kindheit durch regelmäßige Besuche. „Das Jahr in Flensburg war schön – aber es war viel zu weit weg von meiner Familie. Ich wollte näher sein. Den Kontakt zum TSB Gmünd suchte Basualdo schließlich selbst. Der Drittliga-Neuling hatte sein Interesse geweckt. Erst recht, nachdem er ein Heimspiel der Aufstiegssaison im Online-Livestream verfolgt hatte: „Ich habe sofort die Fans gehört, die Halle ist immer voll und hier spielen die besten Spieler der Region. Ich will den nächsten Schritt im Handball machen und auf einem höheren Niveau spielen. Das habe ich hier gefunden.“
Wobei allen Beteiligten klar ist, dass der junge Argentinier Zeit brauchen wird, um auch sportlich im Schwabenland anzukommen. Bezüglich seiner Verletzung habe Basualdo sofort mit offenen Karten gespielt, berichtet Jürgen Rilli. Doch der Sportliche Leiter des TSB ist überzeugt, dass sich die Geduld auszahlen wird: „Wir müssen ihn erstmal aufbauen – dafür geben wir ihm Zeit. Dann bringt er uns weiter. Er zeigt, was er kann. Er hat ein gutes Wurfbild und viele Varianten.“ Auch Trainer Aaron Fröhlich legt den Fokus zunächst auf die Eingewöhnung. „Agustin darf jetzt erstmal bei uns ankommen. Er hat sich um alles selber gekümmert, spricht perfekt Deutsch. Da ist es von der Eingewöhnung leicht. Aber dieser Schritt – erst aus Argentinien, dann aus Flensburg – ist trotzdem groß. Er passt gut rein und wir sind sehr froh, dass wir ihn auf der rechten Seite haben.“
 
Dort bildet Basualdo künftig gemeinsam mit Kapitän Wolfgang Bächle das Gespann auf Rechtsaußen. Gerade der erfahrene Ur-Gmünder hat den Neuzugang sofort unter seine Fittiche genommen. „Er hat mir vom ersten Moment an immer geholfen und wir haben ein gutes Verhältnis. Da kann ich viel lernen“, sagt Basualdo. Seine Ziele formuliert er so bescheiden wie entschlossen. „Für mich ist es ein Traum, in der 3. Liga zu spielen und in so einer talentierten Mannschaft. Ich will mich immer verbessern – das ist mein Ziel.“
 
Nur eines fehlt ihm noch, um endgültig in Schwaben angekommen zu sein: Maultaschen oder Spätzle hat der Argentinier bislang noch nicht probiert. Das dürfte sich in den kommenden Wochen allerdings ändern.

Steckbrief: Agustin Ortlieb Basualdo

 
Position: Rechtsaußen
Geburtsdatum: 26.09.2004
Größe: 1,75 Meter
Wohnort: Bargau
Beruf: Student Arbeitssicherheit & Gesundheit
Hobbies: Lesen, Kino, Handball
Sportliche Vorbilder: Diego Simonet, Lionel Messi, Leo Prantner
Bisherige Vereine: SAG Villa Ballester (Argentinien, bis 2025), SG Flensburg-Handewitt (2025-26)
Größter Erfolg: Kontinentalmeister und WM-Teilnahme mit der argentinischen U19- und U21-Nationalmannschaft
 
(Text und Bilder: Nicolas Schoch)