Ein Beweis der eigenen Stärke: TSB Gmünd schnappt sich den ersten Drittliga-Sieg

Pures Drama bei der Heimspiel-Premiere, doch der TSB Gmünd ist angekommen in der neuen Spielklasse. Das Team von Trainer Aaron Fröhlich dreht einen 14:18-Halbzeitrückstand und ringt die Rhein-Neckar Löwen II mit 32:31 nieder.
 
Die 850 Zuschauer in der nahezu vollbesetzten Großen Sporthalle mussten starke Nerven mitbringen – erst recht in der letzten Spielminute. Über die gesamte Dauer hatten sich der TSB Gmünd und die Rhein-Neckar Löwen II, unter anderem mit vier deutschen Jugend-Nationalspielern angetreten, rein gar nichts geschenkt. Als der starke TSB-Rückraumrechte Stefan Scholz das Publikum über seinen sechsten Treffer zum 31:30 jubeln ließ, da stürmten die "Junglöwen" nochmals schnell nach vorne und brachten ihren Linkshänder Adam Josza in Szene. Sein Schlagwurf wurde vom aufmerksamen Tormann Daniel Mühleisen pariert. Im direkten Gegenstoß spielte Scholz den erst 19-jährigen Lenny Schwenk frei, der nervenstark auf zwei Tore erhöhte. Die Entscheidung war das noch immer nicht. Die Gäste verkürzten prompt und entschlossen sich zu einer offenen Manndeckung. Der Gmünder Regisseur Kai Schäffner bekam einen leichten Kontakt, der Ball sprang nicht mehr richtig hoch und landete bei den Löwen. Alle Blicke gingen hoch zur Anzeigetafel, auf der die letzten zwei Sekunden heruntertickten. Es reichte dem Bundesliga-Nachwuchs nicht mehr für einen allerletzten Angriff. Umso größer war die Freude bei den "Jets", die nach ihrer Auftaktniederlage vorige Woche in Pfullingen eine erste Duftmarke in der Drittklassigkeit setzten.
 

Erst drei Tore vor, dann vier Tore zurück

Danach hatte es zur Pause noch nicht ausgesehen. Der TSB begann stark und Linksaußen Niklas Burtsche und erzielte die ersten beiden Treffer. Doch immer wenn die Gmünder vorlegten, kamen die Löwen um ihren auffälligen Spielmacher Jan Kraft sofort wieder zurück. Auch nachdem Tormann Mühleisen ins leerstehende Tor zum 6:4 (9.) traf und der pfeilschnell gestartete Burtsche sogar auf 9:6 (12.) erhöhte. Fünf Minuten später war wieder alles ausgeglichen, weil Gästekeeper Thomas Jendrsczok bis dahin den besseren Tag erwischt hatte als sein Gmünder Gegenüber. Die TSB-Verteidiger taten sich schwer, die flinken Löwen zu bändigen und kamen meist einen Schritt zu spät. Für Abwehrchef Andreas Maier war die Partie mit einer Roten Karte (20.) vorzeitig beendet, er hatte Kraft mit der Hand im Gesicht getroffen. Zwei weitere Unterzahl-Situationen kamen dem TSB teuer zu stehen. Beim 13:14 (25.) hatten die Gäste den Spieß erstmals umgedreht, waren eiskalt im Umschaltspiel und vergaben sogar die Chance zur Fünf Tore-Führung.
 
Umso beeindruckender war jene Reaktion, welche die Jets nach Fröhlichs Kabinenansprache zeigten. Neuzugang Fabian Bauer rückte für Mühleisen zwischen die Pfosten, hatte auch Glück bei drei Aluminiumtreffen und in den ersten sechs Minuten nicht ein einziges Mal hinter sich greifen musste. Schnell war zu spüren, dass die zweite Halbzeit dem TSB gehören sollte. Schäffner und Abt waren es, die sich in den Eins-gegen-Eins Situation energisch durchsetzen und ihr Team schnell wieder auf Tuchfühlung brachten. Beim 17:18 (37.) war der Anschluss wieder hergestellt. Linkshänder Scholz, der nun ebenfalls immer besser in Fahrt kam, traf dreimal in Folge. Ab dem 20:20 (40.) war es wieder das offene Spiel, welches sich die Hausherren gegen die Bundesliga-Talente erhofft hatten.
 

Lenny Schwenk und Kai Kiesel trumpfen auf

Nicht nur die Rhein-Neckar Löwen, auch der TSB Gmünd konnte aufstrebende Talente ins Rennen werfen. Kai Kiesel, der vergangene Saison noch in der Bezirksoberliga gespielt hatte, ordnete den Mittelblock an der Seite von Sören Winger oder Tom Abt. Auf der Halbposition erwies sich Schwenk als Abwehrexperte und suchte offensiv selbst unerschrocken die Entscheidung. Die Führung zum 22:21 (44.) ging auf das Konto des Teamjüngsten, der bislang noch für die A-Jugend von Frisch Auf Göppingen im Einsatz war und nun vollständig beim TSB angekommen ist. Was dem Fröhlich-Team angesichts der Ausfälle von Maier, dem verletzten Yannik Leichs und dem angeschlagenen Christian Waibel sichtbar gut tat.
 
Zum Schluss bot sich das gleiche Bild wie zu Beginn: Der TSB legte vor, die Junglöwen antworteten schnell. Tom Abt bescherte den Gmünder in der Crunch-Time eine Zwei Tore-Führung, die bis zum 29:27 (55.) Bestand hatte. Letztlich wurde es ein Krimi, in dem der TSB die stärkeren Nerven bewies. Mühleisen war auf die Torhüterposition zurückgekehrt und verhinderte gegen den bis dahin fehlerfreien Linksaußen Lucas Pabst zunächst den Ausgleichstreffer. Welchen Pabst beim 29:29 (57.) dann zwar nachholte. Doch Scholz und Schwenk hatten das letzte Wort – bevor die hektische Schlussminute im erleichterten Gmünder Jubel endete. Die ersten zwei Punkte auf dem Weg zum Klassenerhalt sind eingefahren. Bereits am kommenden Samstag um 19:30 Uhr bittet der TSB den Mitaufsteiger SG Regensburg zum nächsten Heimspiel.
 
TSB Jets – Rhein-Neckar Löwen II 32:31 (14:18)
TSB: Daniel Mühleisen (1.-30., 52.-60. Minute, 1 Tor), Fabian Bauer (31.-52. Minute) – Tom Abt (7), Niklas Burtsche (7/3), Stefan Scholz (6), Wolfgang Bächle (4), Kai Schäffner (3), Lenny Schwenk (3), Sören Winger (1), Arian Pleißner, Kai Kiesel, Andreas Maier, Agustin Ortlieb Basualdo (n.e.), Christian Waibel (n.e.), Nils Eilers (n.e.)
RNL II: Thomas Jendrsczok, Maximilian Herb – Lucas Pabst (7), Jan Day (6/5), Adam Josza (5), Julian Steinert (3), Noah Oremek (3), Jan Kraft (3), Magnus Schroiff (2), Philipp Alt (1), Lui Wenzler (1), Matej Simicic, Tarik Graf, Matthis Krauth, Tim Löhr
Siebenmeter: TSB 3/3 – RNL 5/5
Zeitstrafen: TSB 8 Minuten – RNL 6 Minuten
Rote Karte: Andreas Maier (TSB/20./Gesichtstreffer)
Schiedsrichter: Rick Ehrenpfordt, Manuel Haas (TV Gundelfingen)
Zuschauer: 850

"Eine faire Aggressivität" – Stimmen zum Spiel

Aaron Fröhlich, Trainer TSB Gmünd: "Unterm Stricht steht ein Sieg, der unglaublich wichtig ist. Es gibt keine Zeit zu verlieren, um Punkte zu sammeln, insbesondere in unseren Heimspielen. Wir mussten mit den Kräften gut haushalten, konnten nicht die ganze Zeit nur auf Tempo gehen und das hat meine Mannschaft sensationell gemacht. Wir haben das Spiel in der zweiten Halbzeit so kontrolliert wie wir es wollten und uns Tor für Tor zurückgearbeitet. Die hitzige Stimmung in der Halle hat uns zusätzlich geholfen und vielleicht auch das eine entscheidende Tor gebracht."
 
Daniel Wernig, Trainer Rhein-Neckar Löwen II: "Wir waren gut vorbereitet auf die taktischen Kniffe des TSB Gmünd und konnten die Überzahlsituationen gut lösen. In der zweiten Halbzeit haben wir die Struktur in unserem Spiel verloren. Dann kommt der Druck der Heimmannschaft. Daraus müssen wir lernen."
 
Matthias Czypull, Co-Trainer TSB Gmünd: "So viel wie wir investiert haben, ist der Sieg auch verdient. Beide Mannschaften waren auf einem ähnlichen Niveau, es war immer ein Agieren und ein Reagieren. In der ersten Halbzeit waren wir nicht kompakt genug und haben zu isoliert verteidigt. Im Spiel Sechs gegen Sechs waren wir besser. Letztlich haben die Jungs die Emotionalität und die Energie, sowohl von der Tribüne als auch von der Trainerbank, mitgenommen."
 
Lenny Schwenk, TSB-Youngster: "Ich bin mega stolz auf das Team und auch auf meine eigene Leistung. Wir waren alle noch ein bisschen aufgeregt, aber in der Pause haben wir den Schalter umgelegt. Aaron hat eine starke Ansprache gehalten und uns gesagt, wenn wir dranbleiben, gewinnen wir hundertprozentig – so kam es dann auch."
 
Kai Schäffner, TSB-Rückraumspieler: "Wir haben gezeigt, was in uns steckt. Ende der ersten Halbzeit haben wir zu viele Fehler gemacht, sind aber direkt wieder hochgefahren. Wir haben uns schnell an die neue Liga gewöhnt und haben es geschafft, selbst eine faire Aggressivität auf die Platte zu bringen. So konnten wir das Spiel über die Abwehr gewinnen."
 
Stefan Scholz, TSB-Linkshänder: "In der Halbzeitpause haben wir uns extrem gepusht. Wir wussten, es ist noch nichts verloren. Mit jedem Tor und jeder guten Aktion wächst das Selbstvertrauen wieder. Wir sind auch eine junge Mannschaft, haben es im Kopf aber etwas ruhiger angegangen und das hitzige Spiel für uns entschieden."
 

In Hälfte zwei ist auch der Ton da

Nicht nur sportliche, sondern auch technische Herausforderungen bringt die Drittliga-Premiere für den TSB Gmünd. Schon zuvor hatte der Verein seine Heimspiele online gestreamt, die Anforderungen sind weiter gestiegen. Markus Weber und Marcus Wittek als Technik-Verantwortliche haben für optimale Voraussetzungen auf der Tribüne der Großen Sporthalle regiert. Die Regie und Kameraführung übernehmen die A-Jugendspieler Joschua Wild, Elias Wittek und Max Wollmann. Auf der Plattform sporteurope.tv ist zusätzlich ein neutraler Live-Kommentar vorgeschrieben.
 
Pünktlich zum Anpfiff um 20 Uhr war der TSB "On Air", doch die Zuschauer bekamen an ihren Geräten zunächst nur einen gedämpften Ton und keine Kommentare zu hören. Grund dafür war ein Software-Fehler, welcher in Zusammenarbeit mit der Hilfe-Hotline doch noch behoben werden konnte. Zur zweiten Halbzeit waren die beiden Kommentatoren Max Wollmann und Nicolas Schoch deutlich zu hören. Passend zum Spielverlauf war auch der TSB-Livestream an diesem Samstagabend rechtzeitig in der 3. Liga angekommen.
 
Für die kommenden Heimspiel ist der TSB Gmünd nun gewappnet und wird wechselnde Experten wie frühere Spieler mit ans Kommentatorenpult holen. Wer dies sein wird, erfahren Sie vor der Partie in unserer Vorschau. Ein Einzelspiel auf sporteurope.tv kostet 5,90 Euro, der Teampass für alle TSB-Saisonspiele ist für 69,90 Euro erhältlich. Die Hälfte der Erlöse gehen direkt an den vom Zuschauer ausgewählten Verein.

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)