Wieder verteidigt der TSB Gmünd mit hoher Leidenschaft, wieder kämpft er sich eindrucksvoll zurück. Doch die Jets lassen im Angriff zu viele Chancen liegen, bringen sich selbst um den Lohn ihrer Arbeit und unterliegen den Wölfen Würzburg mit 24:25 (10:15).

Wieder eine starke Abwehr, wieder eine bemerkenswerte Aufholjagd: Und doch muss der TSB Gmünd die nächste ganz bittere Pille schlucken. Eine Woche nach der Heimniederlage in letzter Sekunde gegen die SG Pforzheim/Eutingen waren die Jets auch in Würzburg ganz dicht davor, einem der ganz großen Namen in der Liga ein Bein zu stellen. „Bei dieser kämpferischen Leistung bin ich maximal traurig, wie es für die Jungs gelaufen ist“, sagte ein niedergeschlagener Trainer Aaron Fröhlich auf der Heimfahrt am späten Sonntagabend. „Es ist schwierig zu trennen, dass wir gute Leistungen bringen und erneut ganz knapp verlieren – das tut extrem weh und wir müssen damit mental umgehen.“ Nach einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand hatte sein Team mehr Biss bewiesen als von Dragos Oprea trainierten Wölfe und lag 138 Sekunden vor dem Ende sogar in Führung. Am Ende fehlte erneut die offensive Konsequenz, um sich für die Moral zu belohnen. Damit wartet der TSB seit fünf Spielen auf einen Sieg. Die eigene Abwehr war erneut herausragend – aber das alleine genügt eben nicht, um in der 3. Liga zu punkten.
Maier ragt heraus: Dank starker Abwehr erneut auf Augenhöhe
Von Anfang an war der TSB auf Augenhöhe. Beim 4:3 durch Niklas Burtsche (7.) lagen die Gmünder kurz vorne. Während die Würzburger Rückraumriege bei den Gmünder Abwehrspezialisten kurz angebunden war, suchten diese vor allem den Weg über Außen, wo Jona Reidegeld (9 Tore) und Tim Bauder (5) zuverlässig einnetzen. Doch selbst vom 5:9-Rückstand (15.) ließ sich der TSB nicht abschütteln. Mit Lenny Schwenk an der Spitze einer offensiven Abwehr störten die Gmünder den Spielaufbau der Hausherren, zwangen sie in lange Angriffe und provozierten Fehler. Andreas Maier organisierte und dirigierte das Bollwerk gewohnt lautstark.
Doch die starke Defensivarbeit verpuffte zu oft, weil es im Angriff an Durchschlagskraft fehlte. Tom Abt und Kai Schäffner kamen im Rückraum kaum zur Entfaltung, dazu scheiterten Rechtsaußen Wolfgang Bächle und seine Nebenleute immer wieder am Würzburger Torhüter Sebastian Klein. So wuchs der Rückstand trotz einer engagierten Vorstellung weiter an. Auf das 9:14 (25.) durch einen Konter reagierte Fröhlich mit einem Torwartwechsel. Fabian Bauer fügte sich mit wichtigen Paraden ein und verhinderte mit der letzten Aktion vor der Pause einen weiteren Gegentreffer. Doch innerhalb einer Viertelstunde vor und nach der Pause gelang den Gmünder nur ein einziger Treffer, schon beim 10:15-Halbzeitstand war die Aufgab entsprechend groß.
Fabian Bauer als starker Rückhalt
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Würzburger Abwehr zunächst ein schwer zu überwindendes Hindernis. Bauer parierte gleich nach Wiederanpfiff gegen Linksaußen Tim Bauder, doch die Gmünder fanden im Angriff weiter nur mühsam Lösungen. Die offensive Durststrecke wog schwer, denn auf der anderen Seite fanden die Gastgeber immer wieder Antworten. Doch der TSB blieb dran. Burtsche blieb von der Siebenmeterlinie cool, Kai Schäffner verkürzte in doppelter Überzahl auf 15:18 (42.). Würzburgs Trainer Dragos Oprea sah sich zur Auszeit gezwungen. Der Abstand blieb zunächst bestehen, weil die Gmünder selbst mit einem oder zwei Mann mehr zu selten die richtigen Räume fanden. Umso wichtiger war Bauer, der seine Mannschaft mit starken Paraden im Spiel hielt.

Als Lenny Schwenk einen Freiwurf kraftvoll zum 17:20 (49.) verwandelte, war die Aufholjagd eingeläutet. Bauer lenkte zunächst einen Rückraumwurf an die Latte und parierte auch den Nachwurf von Reidegeld. Kurz darauf wehrte er einen Siebenmeter mit dem Fuß ab und entschärfte auch den nächsten freien Wurf. Die Wölfe blieben neun Minuten lang ohne Treffer – und der TSB witterte seine Chance. Burtsche verwandelte einen weiteren Strafwurf, Maier setzte nach einem Abpraller entschlossen das 20:21 (54.). Bächle sorgte nach Zuspiel von Abt für den ersten Ausgleich seit der Anfangsphase. Plötzlich lag das Momentum auf Gmünder Seite. 138 Sekunden vor dem Ende brachte Spielmacher Abt den TSB mit 23:22 zum erst zweiten Mal überhaupt in Führung.
Die entscheidenden Fehler passieren vorne
Doch der TSB machte sich die Arbeit selbst zunichte: Ein Fehlpasslandete bei den Würzburgern, die ins leere Tor trafen. Kurz darauf setzte Abt einen weiteren Wurf ins Fangnetz. Die Gastgeber nutzten die Fehler, Anton Beck traf zum 23:23 und 24:23. Damit war die Partie erneut gekippt – und die Jets mussten in der Schlussphase wieder hinterherlaufen. Der zwang die Wölfe nochmals ins Zeitspiel. Doch wenige Sekunden vor dem Ende bekam Kreisläufer Alexander Merk den Ball und traf zum 25:23. Andreas Maier verkürzte mit dem letzten Wurf noch auf 24:25, mehr als Ergebniskosmetik war das jedoch nicht. „Man kann es am Ende auf Kleinigkeiten runterbrechen“, resümierte Fröhlich: „Wir haben uns im Angriff bemüht, ohne dabei Schönheitspreise zu gewinnen und haben in der zweiten Halbzeit wieder Zugriff zum Spiel gefunden. So wie das Spiel gelaufen ist, hätte es auf unsere Seite kippen müssen.“
Wieder hatte der TSB gezeigt, dass er auch mit den etablierten Teams der 3. Liga mithalten kann. Wieder stand die Abwehr über weite Strecken stabil, wieder kämpften sich die Gmünder mit großem Einsatz zurück. Doch die offensive Durststrecke und die Fehler in der entscheidenden Schlussphase verhinderten erneut die Belohnung. Die Jets bleiben mit 5:11 Punkten auf Rang 13 und damit unmittelbar vor den drei Abstiegsplätzen. „Wir wussten, dass wir mit dem harten Spielplan in so eine Situation kommen können“, meint der Trainer. „Wir müssen positiv bleiben. Aber bin mir sicher, das kriegen wir als Truppe gelöst und setzen unseren Entwicklungsprozess fort. Man sieht, dass wir in jedem Spiel konkurrenzfähig sind – und das macht mir Mut, dass die Punkte bald wieder kommen.“
Viel Zeit, dem verpassten Punktgewinn nachzutrauern, bleibt nicht: Am kommenden Samstag (19.30 Uhr) gastiert der amtierende Meister SV Kornwestheim in der Großen Sporthalle. Nach fünf sieglosen Spielen braucht der TSB dringend ein Erfolgserlebnis – und muss seinen hohen Aufwand endlich in Zählbares ummünzen.








































