Wenn die Tribüne bebt und jeder Zweikampf zählt, fühlt sich der TSB Gmünd besonders wohl. Im Remstalderby bei der heimstarken SG Weinstadt am Donnerstag (20:30 Uhr / Sporthalle Beutelsbach) will der Regionalliga-Tabellenführer das nächste Ausrufezeichen setzen.

Es war mehr als nur ein Sieg. Am vergangenen Samstag setzte der TSB Gmünd neue Maßstäbe, führte beim HC Neuenbürg bereits zur Pause uneinholbar mit 25:13 und verwaltete souverän bis zum 40:31-Endstand. „Gmünder Jets mit Überschall“, so adelte selbst die Pforzheimer Presse den würdigen Tabellenführer. Die brillante erste Halbzeit lässt sich wohl kaum wiederholen. Doch genau dieses Gefühl, diese Emotionen will der TSB für die verbleibenden fünf Saisonspiele konservieren. Kai Schäffner, der sowohl in der Abwehr als auch im Angriff zu den konstantesten Akteuren zählt, gibt eine klare Marschroute voraus: „Die Basis war unsere Grundaggressivität in der Abwehr, die wir uns immer so wünschen und genau so weitertragen müssen. So kommen wir in einen Flow, aus dem man uns nicht mehr so schnell herausholt.“
Die ganze Liga blickt auf den Kracher im Remstal
Weshalb die Gmünder sogar froh darüber sind, keine Osterpause zu haben, sondern in einem brisanten Nachholspiel direkt weitermachen zu dürfen. Zwei starke Nachbarn, nur eine halbe Stunde Fahrtzeit und das auch noch zur „Prime-Time“ am späten Abend vor Ostern – mehr geht nicht. Bei der SG Weinstadt muss sich der TSB auf einen ganz heißen Tanz einstellen. Doch für Schäffner und seine Teamkollegen sind es genau diese Momente, auf die sie ein ganzes Jahr hinarbeiten: „Die Halle wird brennen. Erfahrungsgemäß liegt uns das auch ganz besonders. Wir sind extrem heiß darauf, diese Stimmung aufzusaugen.“ Allen Gmünder Fans ist eine frühzeitige Anreise zu empfehlen, denn in der engen Beutelsbacher Sporthalle wird wohl kein einziger Sitzplatz frei bleiben.
Die SG Weinstadt wird alles daran setzen, ihre Festung zu verteidigen. Auf dem Durchmarsch von der Verbands- in die Regionalliga haben die Schwarz-Gelben in den vergangenen drei Jahren gerade einmal fünf Heimspiele verloren. „Sie spielen eine starke Saison mit einer gewissen Härte“, ist Schäffner aufgefallen: „Da müssen wir körperlich und emotional dagegenhalten. Wenn von der Tribüne mal das eine oder andere eklige Wort kommt, dann motiviert uns das nur zusätzlich.“ In dieser Saison konnten bislang nur der TSV Heiningen und die HSG Albstadt beide Punkte aus Weinstadt entführen. Dank seiner Heimstärke hat sich der Aufsteiger auf dem sicheren neunten Tabellenplatz etabliert. Nur zwei ihrer zwölf Siege holte die SG auf fremdem Terrain, unterlag zuletzt mit 28:33 bei der SG Heddesheim.
Eine echte Meisterprüfung für den TSB
Diese widersprüchliche Bilanz erinnert den TSB-Trainer Aaron Fröhlich an seine erste Saison im baden-württembergischen Oberhaus vor über einem Jahrzehnt. „Unsere Auswärtsbilanz war damals ähnlich, weil wir uns erst an die zwei- oder dreistündigen Fahrten gewöhnen mussten“, so Fröhlich. Die heutige Generation des TSB hingegen blüht erst so richtig auf, wenn in gegnerische Halle die Luft brennt. „Für uns ist es ein passender Rahmen“, fiebert der Trainer dem Derby entgegen, „eben weil es um so viel geht. Wir sind körperlich topfit und wollen den Gegner zwingen, unsere hohe Intensität über 60 Minuten mitzugehen. Dazu müssen wir mit der gleichen Einstellung starten wie in den vergangenen Wochen.“

Fröhlich verweist erneut darauf, dass Weinstadt ohnehin kein gewöhnlicher Neuling sei. Der treffsichere Linksaußen Tom Kuhnle (123/29 Saisontore) kehrte ebenso wie Rückraumspieler Ruben Sigle (52 Tore) nach einigen Drittliga-Jahren mit dem HC Oppenweiler/Backnang zu seinem Heimatverein zurück. Hinzu kommt eine gute Jugendarbeit, der junge Spielmacher Peter Stäudle (88/58 Tore) etwa trägt schon seit Kindesbeinen nur das SG-Trikot. „Ich habe sie von Anfang an total stabil erlebt“, sagt Fröhlich: „Trotz personeller Engpässe schaffen sie es immer, ihre Aufgaben über die Abwehr zu lösen.“ Tatsächlich hat Weinstadt (718) sogar weniger zugelassen als der TSB (737). Auf die „Jets“ wartet also eine echte Meisterprüfung, da das große Ziel immer näher rückt.
Schon das Hinspiel im vergangenen September – gleichzeitig das erste Aufeinandertreffen überhaupt – war ein unglaubliches Drama. Im torärmsten Spiel der gesamten Regionalliga-Saison setzte sich der TSB hauchdünn mit 21:19 durch und hatte Glück, dass Weinstadt in der Schlussphase mehrere freie Chancen liegen ließ. „Eine gewisse Unzufriedenheit“, nehmen die Gmünder deshalb laut Fröhlich mit ins bevorstehende Rückspiel: „Damals war es unser eigenes Unvermögen und wir fahren jetzt in eine Halle, wo kaum jemand gewonnen hat. Das ist für uns Antrieb genug. Je höher die Hürde liegt, umso höher ist auch unsere Konzentration.“
Alle Rechenspiele werden ausgeblendet
Die Mannschaft selbst wirkt gefestigt, fokussiert und bereit für die wohl härteste Aufgabe im Endspurt. „Vor ein paar Wochen haben wir uns vielleicht noch etwas zu viel Druck gemacht“, bestätigt Rückraumspieler Schäffner. „Mittlerweile haben wir dazugelernt und können besser mit der Situation umgehen.“ Selbstverständlich habe jeder die Ausgangslage im Hinterkopf. Schon drei Siege aus den verbleibenden fünf Partien reichen zur Meisterschaft, da der TSB (37:13 Punkte) die direkten Vergleich mit den schärfsten Verfolgern aus Albstadt und Baden-Baden (beide 35:17) längst für sich entschieden hat. In der Kabine allerdings spielen diese Rechenspiele überhaupt keine Rolle.

Respekt ist vorhanden – aber keinerlei Zweifel an der eigenen Stärke. „Bei jedem in der Mannschaft stimmt die Form und das Selbstvertrauen“, so Schäffner: „Wir haben den Ehrgeiz, immer meisterlich aufzutreten und jedes Spiel zu gewinnen. Unabhängig von der Tabellensituation bin ich unglaublich heiß auf dieses Spiel.“ Ein Derby. Eine Meisterprobe. Und die nächste Chance, um den großen Traum ein Stück weit greifbarer zu machen.
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier







































