Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist für den TSB Gmünd schon jetzt greifbar. Erinnerungen an den rauschenden Aufstiegssommer 2014 werden wach. Die wachsende Fanschar, ehemalige Spieler und sogar mögliche künftige Gegner verfolgen den Höhenflug der „Jets“ mit wachsender Begeisterung.

Zwei Siege aus vier Spielen – mehr trennt den TSB Gmünd nicht von der 3. Liga. Die erforderlichen Unterlagen wurden bereits vorzeitig beim Deutschen Handballbund (DHB) eingereicht und akzeptiert. Die Begeisterung lässt sich längst nicht mehr aufhalten – oder besser: Sie ist nicht zu überhören. „Pure Gänsehaut“, verspürte etwa der Sportliche Leiter Jürgen Rilli vorige Woche beim Blick auf 250 mitgereiste Gmünder Fans im Auswärtsspiel bei der SG Weinstadt. „Sie waren unser achter Mann“, ergänzte Kapitän Tom Abt, „sie haben uns beflügelt und vielleicht auch diesen Sieg gerettet.“
Als der TSB letztmals die Massen derart in seinen Bann zog, da war Abt gerade einmal elf Jahre alt und stand selbst mittendrin im Fanblock. Die Relegationsspiele im Mai 2014 sind unvergessen: Mit Siegen über die SG Bottwartal, die SG Muggensturm sowie im großen Finale daheim gegen den HSV Hockenheim waren die Gmünder erstmals in die Oberliga Baden-Württemberg (heute Regionalliga) gestürmt. Auswärtsspiele wurden zu Heimspielen, die Fans trugen die Mannschaft – ein Szenario, das sich derzeit eindrucksvoll wiederholt. Mittendrin sind damalige Aufstiegshelden wie Patrick Schamberger oder Matthias Czypull. Schamberger hatte am Gründonnerstag kurzerhand zwei Fanbusse organisiert und sorgte mit dem von ihm trainierten Perspektivteam für zusätzliche Lautstärke. Selbst die heimstarke SG Weinstadt hatte nicht mit einem solch enormen Ansturm gerechnet.

„Wir hatten absolut die Hoheit in der Halle“, zeigte sich Trainer Aaron Fröhlich beeindruckt: „Die positive Stimmung, welche die Truppe ausstrahlt, wird von den Zuschauern honoriert und das haben sich die Jungs auch verdient.“ Der TSB überzeugt nicht nur mit Ergebnissen, sondern mit einer klaren Handschrift und einer Mannschaft, die füreinander einsteht – ganz so wie vor zwölf Jahren. Schon damals war Wolfgang Bächle einer der Triebfedern, mit einem weiteren Aufstieg könnte der Rechtsaußen und Gmünds Sportler des Jahres seine großartige Karriere krönen. „Diese Anfeuerung und die alten Kollegen zu sehen, dafür sind wir extrem dankbar“, so verspürt Bächle durchaus einen Spirit wie 2014. Kollege Abt fügt hinzu: „Vor zwei oder drei Jahren war das Interesse nicht so groß. Doch wir haben es geschafft, eine richtig coole Mannschaft zu bilden und das wird dann mit solchen Namen auf der Tribüne honoriert.“
Neben den Akteuren des TV Bittenfeld II inklusive des künftigen TSBlers Sören Winger hatte sich noch ein möglicher zukünftiger Drittliga-Gegner unter das Publikum gemischt. Moritz Knück lief in der Saison 2020/21 für die Gmünder auf, inzwischen ist er für den TV Erlangen-Bruck als Co-Trainer tätig. „Die Entwicklung von Verein und Team ist beeindruckend“, schwärmt Knück und hofft auf zwei persönliche Heimspiele in der neuen Saison. Besonders hebt er die Arbeit seines einstigen Mitspielers hervor: „Aaron Fröhlich hat schon bei der Jugendarbeit gezeigt, dass er ein guter Trainer wird. Dass er das so in den Aktivenbereich übertragen konnte, ist eine Riesenleistung. Und der Weg ist ja noch lange nicht zu Ende.“
Zwölf Jahre nach dem Sprung ins baden-württembergische Oberhaus stehen die Jets dicht davor, die nächste Schallmauer zu durchbrechen. Die 3. Liga wäre eine völlig neue Welt mit bundesweiter Aufmerksamkeit und neuen Reisezielen. Erlangen, Würzburg oder Regensburg statt Weinstadt und Waiblingen. „Ich fahre sehr oft und sehr gerne nach Bayern“, verrät TSB-Linksaußen Niklas Burtsche mit einem Grinsen. Doch im Hier und Jetzt zählt nur der nächste Schritt. „Wir spielen weiterhin jedes Spiel wie ein Finale“, spricht Burtsche seinem Trainer ganz aus der Seele. Dieser blickt entschlossen auf das Heimspiel am Sonntag (17 Uhr / Große Sporthalle) gegen die SG Heddesheim: „Diesen nächsten Sieg brauchen wir unbedingt – davor macht alles Rechnen keinen Sinn.“
Damit läge der Meister-Matchball bereit. Eine weitere reizvolle Parallele darf da nicht unerwähnt bleiben: Im Sommer 2014 war es Djibril M´Bengue, der den TSB Gmünd nach oben warf und nur wenige Wochen später auch mit dem TVB Stuttgart den Aufstieg in die 1. Bundesliga feierte. Aktuell steht M´Bengue in Diensten der SG BBM Bietigheim dicht davor, zum dritten Mal in seiner Laufbahn ins Oberhaus aufzusteigen. Ein Déjà-vu, das beim Heimatverein mit Freude verfolgt wird – und bei dem man nur allzu gerne doppelt jubeln würde.
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Jens Körner)
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Jens Körner)






































