Moritz Sokol: „Freue mich wie ein Schneekönig auf das Spiel in Gmünd“

Als Interimstrainer des TV Erlangen-Bruck kehrt Moritz Sokol am Samstag (Anwurf: 20 Uhr) für 60 Minuten in die Gmünder Großsporthalle zurück. Der frühere TSB-Linksaußen blickt voller Vorfreude auf dieses nicht alltägliche Drittliga-Spiel.

Der TV Erlangen-Bruck und der TSB Gmünd – zwei Vereine, die sich am Samstag zum ersten Mal überhaupt gegenüberstehen. Moritz Sokol hingegen kennt beide Seiten bestens. Der 32-Jährige, beim TSB in der Saison 2020/21 noch unter seinem Geburtsnamen Knück aktiv, kehrt am Samstag an eine frühere Wirkungsstätte zurück. Als Linksaußen war er damals nur ein halbes Jahr in Gmünd, ehe ihn Schulterprobleme und eine neue berufliche Chance wieder wegführten. Im Fränkischen zog er Anfang 2024 mit seiner heutigen Ehefrau Mona zusammen, coachte gemeinsam mit ihr die Damen des HC Forchheim und fand so den Einstieg in die Trainerlaufbahn. Eine „glückliche Fügung“, nennt Sokol diese Möglichkeit rückblickend. Als „Neigschmeckter“ fand er schnell Anschluss. Im zweiten Jahr beim TV Erlangen-Bruck wurde er an diesem Mittwoch zum Interimscoach des Drittliga-Konkurrenten befördert, nachdem Trainer Sebastian Wilfing überraschend aus persönlichen Gründen zurückgetreten war. Sein Debüt als „Chef“ gibt Sokol nun ausgerechnet in Schwäbisch Gmünd. Im Gespräch mit Nicolas Schoch spricht der Gästetrainer über seine besondere Verbindung zum TSB, den schwierigen Saisonstart seines Teams und die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit alten Weggefährten.
Momo, laut deiner Aussage ist Bayern ein „Handballentwicklungsland“. Erlangen hingegen wirkt mit seiner Tradition und dem Bundesligisten HC Erlangen wie eine echte Hochburg. Was macht Handball in Erlangen aus – und speziell den TV Bruck, der sich selbst als „Brooklyn United“ bezeichnet?
„Die erfolgreiche Zeit der Brucker Handballer ist noch relativ jung. Einige im Vereinsumfeld, als sie vom HC Erlangen weg sind und sozusagen die „Revolte“ in der Stadt angestrebt haben, haben sich dann dieses coole Namensspiel überlegt. Um es greifbarer zu machen: Ähnlich wie beim TV Bittenfeld mit dem Wechsel der Bundesliga-Mannschaft nach Stuttgart, entfremdet es sich auch hier. Der HCE trainiert zwar in Erlangen, spielt aber in Nürnberg. Von seiner super Jugendarbeit profitieren wir, sind aber quasi der Gegenentwurf. Viele junge Spieler, die beim HCE vom Leistungsgedanken etwas überladen sind, wollen bei uns aus Spaß in einer tollen Gemeinschaft zocken. Ich bin mir sehr sicher, dass wir mit Abstand den niedrigsten Etat der Südstaffel haben.“
 
Du stehst im zweiten Jahr beim TV Erlangen-Bruck an der Seitenlinie und wurdest vorübergehend zum Chefcoach befördert. Was macht die Aufgabe für dich so attraktiv?
„Der Wechsel in dieser Woche kam tatsächlich sehr überraschend und es ging alles sehr schnell. Ursprünglich war der Gedanke, dass ich als Bindeglied nahe an der Mannschaft sein kann und viele Auswärtsspiele ohnehin im Radius meiner ursprünglichen Heimat liegen. Der Verein hat bereits im Sommer schnell signalisiert, dass er auf mich setzt und mit mir eine Perspektive sieht, das irgendwann noch zu intensivieren. Die B-Lizenz ist mein Ziel, hoffentlich im nächsten Jahr. In dieser Mannschaft kann man sich nur wohlfühlen. Für diese Jungs würde ich durchs Feuer gehen – und sie auch für mich.“
Dein Team hat bislang alle vier Spiele verloren, zuletzt mit 25:31 gegen den davor noch punktlosen TV Bittenfeld II. Ist es ein Fehlstart?
„Mit null Punkten bist du nie zufrieden. Doch alle unsere Gegner bringen unfassbar viel Qualität und Tempo auf die Platte. Bei uns ist jetzt aber keine Krise. Wir hatten solche Phasen auch im vergangenen Jahr und wissen, worauf es ankommt. Gegen Gmünd und Albstadt haben wir nun zwei Spiele vor uns, in denen wir punkten müssen. Alles andere wäre gelogen. Wir haben vorige Saison gegen die Mitaufsteiger alle acht Punkte geholt, und die brauchst du, um in der Liga zu bleiben. Daran müssen wir uns auch messen lassen. Ich will auch gar nicht die Favoritenrolle wegschieben, nur weil der TSB ein Heimspiel hat.“
 
Bei aller sportlichen Brisanz: Kannst du dein Heimkommen nach Gmünd überhaupt genießen oder spielt es nur eine Nebenrolle?
„Das muss man trennen. Ehrlich gesagt freue ich mich wie ein Schneekönig. Meine Mama und meine Frau werden in der Halle sein und wir können das Wochenende in meiner alten Heimat verbringen. In der Gmünder Mannschaft sind noch viele, mit denen ich zusammengespielt habe. Torwart Daniel Mühleisen war auf meiner Hochzeit und wir haben jahrelang zusammen Beachhandball gespielt. Wenn etwas Freude macht, dann ist die Aussicht auf Erfolg meistens noch ein bisschen größer. Daher schließt das eine das andere nicht unbedingt aus.“
 
Du konntest in der Saison 2020/21 leider nur vier Partien für den TSB absolvieren. Wie viel bedeutet dir dieses kurze Kapitel im Rückblick?
„Vielleicht war es gerade wegen der Corona-Pandemie so eine spezielle Zeit. Wir haben unter Trainer Dragos Oprea sehr viel trainiert, was uns in dieser Zeit ohne großen sozialen Kontakt sehr zusammengeschweißt hat. Offen gesagt bin ich traurig, dass es nur ein halbes Jahr gewesen ist. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie schön es gewesen wäre, wenn ich noch länger hätte bleiben können, weil ich mich einfach sehr wohlgefühlt habe und jetzt sehe, was daraus entstanden ist. Ich freue mich vor allem für die Verantwortlichen wie Jürgen Rilli oder einen kreativen Trainer wie Aaron Fröhlich. Was er in den ersten fünf Spielen schon an taktischer Variabilität gezeigt hat, ist genau der richtige Weg.“
 
Du hast den TSB in der Aufstiegssaison und beim ersten Drittliga-Heimspiel vor Ort beobachtet. Wie beeindruckt bist du davon, wie sie sich die Gmünder in der neuen Liga präsentieren?
„Es ist sehr beachtlich. Vor dem Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen II hätte ich nie damit gerechnet, dass da etwas drin ist. Da zwei Punkte zu holen, ist ganz groß, absolute Big Points. Die Leistungen sind konstant gut – und das ist wichtig, um zu merken: Du bist in der Liga angekommen und die Ergebnisse gehen in die richtige Richtung. Das ist verdammt viel wert. Deshalb wird es für uns umso schwerer am Samstag.“

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Nicolas Schoch, TV Erlangen-Bruck)