Die Gmünder Jets treffen am Sonntag (17 Uhr / tectake Arena) auf den nächsten großen Namen, den langjährigen Zweitligisten Wölfe Würzburg. Beim Wiedersehen mit ihrem früheren Coach Dragos Oprea will der TSB aus seinen jüngsten Rückschlägen lernen – und sich endlich wieder für ihre Leistungen belohnen.

Viele starke Auftritte, viel Anerkennung – aber seit vier Spielen kein Sieg: Der TSB Gmünd bekommt in seiner ersten Drittliga-Saison regelmäßig zu hören, dass er mithalten kann. Nur bringt ihm das im Abstiegskampf wenig. Am Sonntag wartet mit den Wölfen Würzburg nicht nur der nächste ehemalige Zweitligist, sondern auch ein vertrautes Gesicht: Dragos Oprea, der die Gmünder von 2020 bis 2022 trainierte. Für ein Wiedersehen mit Nostalgiefaktor bleibt allerdings wenig Raum. Die Jets brauchen Punkte.
Gute Leistungen allein reichen nicht
Die jüngsten Rückschläge hätten unterschiedlicher kaum ausfallen können. Bei der HSG Konstanz ging dem TSB in der Schlussphase die Kraft aus, gegen den TV Erlangen-Bruck sorgten strittige Entscheidungen für Ärger, beim HC Oppenweiler/Backnang ließ die Chancenverwertung einen möglichen Erfolg liegen. Und gegen die SG Pforzheim/Eutingen wurde es besonders bitter: Nach dem späten Ausgleich zum 26:26 schenkten die Gmünder den möglichen Punktgewinn mit einem Fehlpass in den letzten Sekunden noch her. Die Erkenntnis aus diesen Wochen: Der Aufsteiger ist in der 3. Liga angekommen, muss aber lernen, sich für gute Phasen auch zu belohnen. Denn der Blick auf die Tabelle zeigt, wie wichtig jeder Zähler ist. Mit 5:11 Punkten steht der TSB auf Rang zwölf und damit nur zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen. Auch die zuvor schwächelnden Konkurrenten TV Bittenfeld II und TV Erlangen-Bruck haben zuletzt gepunktet.
Trainer Aaron Fröhlich will sich von der Tabellenlage dennoch nicht verrückt machen lassen. Nach der jüngsten Niederlage warnte er davor, sich vom Lob der Gegner blenden zu lassen: „Von den Zuckerl, die uns nach dem Spiel gegeben werden, sollten wir uns nicht zu viel Sand in die Augen streuen lassen.“ Gleichzeitig sieht Fröhlich seine Mannschaft auf einem guten Weg. „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen – aber auf einem guten Weg. Wir tun allen Mannschaften über mehr oder weniger lange Zeiträume weh und sind auch in der Lage, gegen die Top-Teams zu gewinnen.“ Dafür müsse das Team noch einige Schritte gehen. „Natürlich ist es schöner, wenn man da belohnt wird. Siege sind immer gut für die Entwicklung. Jetzt müssen wir uns auf die Leistung konzentrieren, die aus meiner Sicht wieder gut war, und darauf aufbauen.“Gute Erinnerungen an Dragos Oprea
Dass der TSB am Sonntag auf seinen früheren Trainer trifft, ist für Fröhlich durchaus besonders. Unter Oprea absolvierte er 2021/22 seine letzte Saison als aktiver Spieler. Aus der gemeinsamen Zeit hat er einiges mitgenommen. „Ich habe mir von jedem Trainer in gewisser Weise etwas abgeschaut. Dodo hat aus seiner Profierfahrung eine gute, professionelle Einstellung zu Training, Einsatz und Disziplin vermittelt. Das fand ich damals gut und hat uns auch weitergebracht.“ Diese Haltung sieht Fröhlich auch bei Opreas aktuellem Verein. Die Würzburger, die von 2013 bis 2023 als DJK Rimpar in der 2. Bundesliga spielten, wollen langfristig wieder nach oben. Mit 6:6 Punkten liegen sie aktuell auf Rang elf, haben allerdings zwei Partien weniger absolviert als der TSB. „Ich denke, dass er das in Würzburg auch in den Verein gebracht hat und dass sie sich sehr professionell verhalten – das passt da auch ganz gut hin“, sagt Fröhlich.
Die Voraussetzungen seien ohnehin grundlegend andere. „Sie haben eine sehr hohe Qualität und ich glaube, dass da auch schon ein sehr hoher Druck herrscht. Weil die natürlich mit anderen Voraussetzungen in die Saison gegangen sind und auch grundlegend andere Möglichkeiten haben.“ Der TSB müsse deshalb mit seinen eigenen Mitteln dagegenhalten: kämpfen, unangenehm sein und taktisch variabel bleiben. Die Außenseiterrolle nimmt Fröhlich gerne an. „Wir haben uns schon selber bewiesen, dass wir gegen die wirklich Guten mithalten können. Ich setze darauf, dass wir von Woche zu Woche besser werden und den einen oder anderen Fehler weniger machen.“ Entscheidend sei, die eigenen Stärken auf die Platte zu bringen und die Würzburger Qualitäten möglichst gut zu kontrollieren.
Geschwächtes „Wolfsrudel“ unter Zugzwang
Eine Chance könnte sich für die Gmünder durch die Personalsituation der Gastgeber ergeben. Die Wölfe hatten zuletzt mit zahlreichen Krankheitsfällen zu kämpfen. Die 31:33-Niederlage gegen Aufsteiger SG Regensburg wollte Oprea deshalb nicht überbewerten: Zeitweise standen ihm nur vier wirklich gesunde Spieler zur Verfügung, zudem fehlte ein Kreisläufer. Auch die vorangegangene Niederlage beim TSV Neuhausen/Filder war knapp: Würzburg verspielte eine Sechs-Tore-Führung und verlor mit 38:39. Weiterhin gibt es Fragezeichen im Kader, zuletzt fielen sämtliche Kreisläufer aus. „Ich habe in der letzten Woche gelernt, dass man von Stunde zu Stunde schauen muss“, sagte Oprea mit Blick auf die Personallage.
Fröhlich will sich davon nicht abhängig machen. „Wir stellen uns auf die maximal beste Mannschaft ein und bereiten uns so vor, dass wir einer Würzburger Mannschaft in Bestbesetzung Schwierigkeiten bereiten können.“ Auf Gmünder Seite fehlt Kreisläufer Kai Kiesel mit einem Kahnbeinbruch in der rechten Wurfhand weiterhin. Hoffnung macht die Rückkehr von Yannik Leichs, der nach seinem in der Vorbereitung erlittenen Syndesmosebandriss inzwischen dosiert trainiert. Beim jüngsten Heimspiel wärmte er sich erstmals wieder mit der Mannschaft auf. Bis zu einem Comeback des Eckpfeilers dürfte es aber noch dauern. Fröhlich rechnet damit, dass der Rückraumspieler nach seiner Rückkehr noch mehrere Spiele benötigen wird, um wieder zu seiner vollen Leistungsfähigkeit zu finden. „Sobald er wieder da ist, ist er eine absolute Verstärkung in Abwehr und Angriff.“
Bis dahin müssen es die vorhandenen Kräfte richten. Fröhlich sieht sein Team trotz des bislang überschaubaren Punktekontos nicht im Krisenmodus: „Mit der Punkteausbeute bislang ist keiner im Panikmodus. Ganz im Gegenteil. Wir haben die Punkte, plus minus eins, die wir holen müssen, und sind in einem ordentlichen Fahrwasser.“ Im Laufe der Saison werde man zusätzliche Zähler brauchen, ist er überzeugt. „Da bin ich mir sicher, dass wir die holen werden und dass wir uns noch stärker entwickeln können.“
Der nächste Schritt wäre, in engen Schlussphasen kühler zu bleiben. Denn auf Dauer will der TSB nicht nur Lob für seine Auftritte sammeln, sondern auch Punkte, die im Kampf um den Klassenverbleib den Unterschied machen können.
Infos zum Spiel: Anpfiff in der Würzburger tectake-Arena im Stadtteil Sanderau ist am Sonntag um 17 Uhr. Die Halle bietet 2900 Plätze und ist damit die größte Spielstätte der 3. Liga Süd. Mit durchschnittlich 1128 Zuschauern liegen die Wölfe bei den Zuschauerzahlen vor der HSG Konstanz (825) und dem TSB Gmünd (800) an der Spitze. Karten gibt es im Online-Vorverkauf der Gastgeber sowie an der Abendkasse mit zwei Euro Aufschlag. Die Partie wird kostenpflichtig auf Sporteurope.tv übertragen (mit einem Klick zum Stream). Der TSB empfängt zu seinem nächsten Heimspiel am 31. Oktober um 19:30 Uhr den Meister SV Kornwestheim, bevor es in eine einwöchige Spielpause geht.
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)






































